MEHRWERT MIT TARIF

erneut Warnstreik der IG Metall bei VEM da chinesischer Investor Billigtarif für Elektromotorenbauer abschließt

21.09.2018 | die IG Metall Halberstadt hat die Beschäftigten der VEM motors GmbH in Wernigerode heute in der Zeit von 5 bis 7 Uhr zu einem 2. Warnstreik vor dem Werkstor aufgerufen.

Der Warnstreik richtete sich nicht gegen den chinesischen Investor, sondern dagegen dass die deutsche Geschäftsführung der IG Metall sagt es sein kein Geld da und dann plötzlich und heimlich einen Billigtarifvertrag mit einer christlichen Gewerkschaft abschließt. Das ist ein Täuschungsmanöver, denn dieser Vertrag gilt nur für die Mitglieder der christlichen Gewerkschaft, deren Zahl nach Kenntnis der IG Metall am Standort Wernigerode Null ist.

Die IG Metall Mitglieder sollen also leer ausgehen!

Das ist nicht hinnehmbar, insbesondere weil die überwiegende Mehrheit der Beschäftigten Mitglied der IG Metall ist.

Die IG Metall fordert daher auch weiterhin einen Tarifvertrag der auch für die Mehrheit der Beschäftigten gilt. Termine für weitere Verhandlungen sind von der IG Metall bereits angeboten worden.

Gemeinsam stark . IG Metall


Hintergrund:


Das Traditionsunternehmen VEM motors in Wernigerode wurde nach einer wirtschaftlichen Schieflage im Jahr 2017 von einem chinesischen Investor aufgekauft und befindet sich momentan in einer Konsolidierungsphase.
 
Am Dienstag, den 18. September 2018 war die Überraschung für die IG Metall –  Verhandlungskommission groß.
Die Geschäftsleitung der VEM motors GmbH erschien nicht zu einem Verhandlungstermin, den sie selbst vorgeschlagen hatte. In dem Gespräch sollte es um einen Heranführungstarifvertrag mit der IG Metall gehen, der auf die besondere Lage des Unternehmens Rücksicht nimmt. 
Die Türen zum Geschäftsleitungsbüro waren jedoch zum vereinbarten Termin um 16:00 Uhr verschlossen! Ohne Absage des Termins, hat man sich aus dem Staub gemacht.

Was war geschehen?
In einer Betriebsversammlung am Mittag desselben Tages, erklärte die Geschäftsleitung, sie habe im Namen des chinesischen Eigentümers Herrn Jianyu Wang einen Tarifvertrag mit der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM) abgeschlossen. Dieser beinhaltet sogar zum großen Erstaunen der Anwesenden mehr Volumen, als die IG Metall zuvor gefordert hatte. 
VEM hatte gegenüber der IG Metall stets erklärt, für einen Tarifvertrag mit der IG Metall sei kein Geld vorhanden.

Die Forderungen der IG Metall Verhandlungskommission sind deshalb bis dahin moderat und kostenneutral gewesen:

• Abschluss eines Anerkennungstarifvertrag mit wirtschaftlich vertretbaren Heranführungsschritten
• Die IG Metall wird als Tarif-Verhandlungspartner anerkannt
• Die betrieblichen und tariflichen Bedingungen werden verglichen
• Der Manteltarifvertrag wird mit dem jetzigen betrieblichen Status anerkannt

In einer kurzfristig einberufenen Vertrauensleute-Sitzung am späten Nachmittag fragte man sich, aus welchem Grunde jetzt finanzieller Spielraum für einen Tarifvertrag mit der CGM da sei.
Aus Sicht der IG Metall ist der CGM Tarifvertrag bei VEM nur ein politisches Täuschungsmanöver, das gerade mal für die nächsten zwei Jahre einen Inflationsausgleich und einen Flickenteppich von tariflichen Regelungen beinhaltet. Zukunftsweisende Tarifverträge in Zeiten des Fachkräftemangels sehen anders aus. Die Vertrauensleute beschlossen deshalb, auf dieses unakzeptable Vorgehen der Geschäftsleitung entsprechend zu reagieren.

Ferner weist die IG Metall darauf hin, dass ein Tarifvertrag immer nur für die entsprechenden Gewerkschaftsmitglieder gilt. Nach Kenntnis der IG Metall hat die CGM in dem Wernigeröder Standort keine Mitglieder. Die Überwiegende Mehrheit der Beschäftigten ist jedoch Mitglied der IG Metall.
Für diese Mitglieder fordert die IG Metall auch einen Tarifvertrag.

Rückblick:

Das Unternehmen in Wernigerode hatte bisher einen Tarifvertrag mit der Christlichen Gewerkschaft Metall. Die ca. 450 Beschäftigten am Standort waren mit diesem Tarifvertrag jedoch sehr unzufrieden (seit Jahren gab es eine Entgeltentwicklung unterhalb der Inflationsrate) und wollen nun einen Tarifvertrag mit der IG Metall haben. Insbesondere da große Nachbarunternehmen wie KSM oder Nemak bereits einen IG Metall Tarifvertrag haben und in Zeiten des Fachkräftemangels nur vernünftige tarifliche Arbeits- und Entlohnungsbedingungen auf Dauer das Überleben eines Unternehmens sichern können.

Am 14.08.2018 fand ein erstes Gespräch zwischen der IG Metall und der Geschäftsführung der VEM motors in Wernigerode zum Abschluss eines Tarifvertrages statt.
 
Die Geschäftsleitung der VEM motors hat sich bei dem Gespräch weder zum Tarif bekannt noch hat sie den Tarif abgelehnt. Sie hat um Bedenkzeit für eine Meinungsbildung gebeten.
 
Weil die Beschäftigten ein Signal zum Start der Verhandlungen brauchten, setzte die IG Metall eine Rückmeldefrist bis Montag, den 20.08.2018. Die Geschäftsleitung bestätigte diesen Termin.
 
Nachdem die Geschäftsleitung letztlich mehrfach gesetzte Fristen verstreichen ließ, forderten die Beschäftigten schließlich mit einem Warnstreik am 28.08.2018 die Rückkehr an den Verhandlungstisch.

Hierauf wurde durch die Geschäftsleitung ein Termin für den 18. September bestätigt zu dem sie, wie beschrieben nicht erschienen ist.

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