IG Metall Halberstadt
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20.04.2021, 11:04 Uhr

Tarifrunde Eisen- und Stahlindustrie Ost

Warnstreik bei Ilsenburger Grobblech, VPS und SZFG in Ilsenburg

  • 23.03.2021
  • Aktuelles

Volumen zu niedrig, Laufzeit zu lang: Angebot der Arbeitgeber in der Stahlindustrie nicht zielführend - Auch die zweite Tarifverhandlung am 17.03.2021 für die rund 8000 Beschäftigten der ostdeutschen Stahlindustrie endete ergebnislos.

In der zweiten Verhandlung legten die Stahl-Arbeitgeber ein „Angebot“ auf den Tisch, das jedoch weder im Volumen ausreicht, noch eine akzeptable Laufzeit vorsieht. Im Gepäck hatten die Arbeitgeber eine Coronaprämie von 350 Euro, die sie zum 30. Juni 2021 anbieten, sowie eine weitere Einmalzahlung von noch einmal 350 Euro zum 1. Februar 2022. Diese soll, um Beschäftigung zu sichern, auch in freie Zeit umgewandelt werden können.

„Einmalzahlungen sind zwar nett gemeint, aber um Löhne und Gehälter langfristig zu sichern, brauchen wir eine zusätzliche tabellenwirksame Tariferhöhung.“

Der Tarifvertrag soll, so stellen es sich die Arbeitgeber vor, eine Laufzeit von 17 Monaten haben – bis Ende Juli 2022.

Die Auftragsbücher in vielen Stahlunternehmen sind derzeit jedoch voll und die Preise für Stahl erreicht gerade Rekordniveau.

„Wir brauchen eine verlässliche Möglichkeit, um im Jahr 2022 in einer Tarifrunde zu einer Entgelterhöhung zu kommen. Bis dahin sollte sich die wirtschaftliche Lage der Unternehmen weiter verbessert haben. Für das laufende Kalenderjahr sind – bei aller Differenziertheit in der Branche – die Aussichten sehr positiv. Wenn wir einen Abschluss mit zu langer Laufzeit machen, produzieren die Stahlunternehmen wieder auf Hochtouren und unsere Kolleginnen und Kollegen gehen leer aus. Das kann es nicht sein“, so Birgit Dietze Bezirksleiterin IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen und Verhandlungsführerin.

Auch den Kolleginnen und Kollegen von Ilsenburger Grobblech ist es wichtig, dass sich ihr Einsatz für das Unternehmen in der Lohntüte wiederfindet, wie der Betriebsratsvorsitzende Volker Mittelstädt betonte: „Die Belegschaft hat maßgeblich zur wirtschaftlichen Stabilisierung am Standort beigetragen. Das muss sich auch in der Entgelttabelle widerspiegeln.“

Angeboten haben die Stahlarbeitgeber außerdem, die Tarifverträge zur Beschäftigungssicherung, zur Altersteilzeit und zu Werkverträgen zu verlängern und einer Gesprächsverpflichtung zu den dual Studierenden nachzukommen. Zudem schlugen sie vor, Gespräche über einen Transformationstarifvertrag aufzunehmen, um die Herausforderungen der Dekarbonisierung anzugehen. Dazu gehört die Fortsetzung der Gespräche zum Zukunftsdialog, um unter anderem die Ausbildung von zukünftigen Fachkräften in der Stahlindustrie attraktiver zu machen. Diesen Teil des Angebots beurteilte Verhandlungsführerin Birgit Dietze positiv. „Die Transformation muss tarifpolitisch begleitet werden, um die Stahlindustrie zukunftsfähig zu machen.“

Die IG Metall wird ab 23. März in der Eisen- und Stahlindustrie in Ostdeutschland zu Warnstreiks aufrufen. Dafür sprachen sich die Mitglieder der Tarifkommission einstimmig im Anschluss an die Verhandlung aus. Daher haben wir heute auch die Kolleginnen und Kollegen bei der Ilsenburger Grobblech, VPS uns SZFG in Ilsenburg zu einem Warnstreik von 05.45 bis 07.00 Uhr aufgerufen. Dem Aufruf folgten weit über 170 Menschen in 146 Autos.